Pac-Kong Einmal mit Alles, bitte!

Hier sind ein großer Tintenfisch, viele kleine Tintenfische, tödliches Gas und die Tücken eines ausgeklügelten Baus Ihre Gegner. Dabei geht es um zwei Schatztruhen, die der große Tintenfisch geraubt und im obersten Stockwerk für sich in Sicherheit gebracht hat. Nur ein Abenteurer wie Sie ist in der Lage, diesen Schatz zurückzuerobern! Dazu müssen Sie sich von Stockwerk zu stockwerk hocharbeiten. Kleine Tintenfische versuchen, Sie auszuschalten. Tödlich gefährlich sind auch Gaswolken, die sich unvorhersehbar in alle 5 Stockwerke ausbreiten können

Für 1 oder 2 Spieler

So steht es auf der Box geschrieben. Eigentlich eine richtig schön passende Umschreibung dieses Spieles. Und: Nein! Ich habe die Rechtschreibfehler NICHT selbst verzapft!

1983 war Quelle noch dick im Geschäft. So dick sogar, dass es sich die Firma nicht nehmen ließ als Herausgeber diverser Spiele für das erfolgreiche Atari® Video-Computersystem 2600 zu erscheinen. Einer dieser Titel war „Pac-Kong“. Und ich muss es schon an dieser Stelle vorwegnehmen: Man erwirbt mit „Pac-Kong“ nicht nur ein Spiel, sondern eine Trashgranate unter den Atari-Spielen.

Hätten Joe D’Amato, Mario Bava oder Lucio Fulci statt Filme zu drehen Spiele hergestellt, wäre vermutlich so ein Produkt dabei herausgekommen. Schon alleine der Titel ist großartig geklaut, zerrupft und wieder zusammengesetzt. Wer sich im Jahre 1983 von Oma „Pac Man“ und „Donkey Kong“ zu Weihnachten gewünscht hat, war sicherlich gut beraten, wenn er beim Geschenkekauf dabei war. Einen richtigen Bezug zu dem „Pac“ im Titel lässt sich übrigens nicht wirklich feststellen. Das „Kong“ hat vielleicht noch aufgrund des Levelaufbaus eine Daseinsberechtigung.

Bevor nun das Modul in die Konsole geschoben wird, sollte man es sich allerdings nicht nehmen lassen, die Verpackung nochmal zur Hand zu nehmen und das Titelbild in Relation zum Klappentext zu setzen.

Wir errinern uns: „Hier sind ein großer Tintenfisch…“

Aber wo? Steuert der große Tintenfisch den Optimus Prime-Verschnitt? Steuern viele kleine Tintenfische den Raumgleiter? Kommt das tödliche Gas aus den Auspuffrohren des Gleiters? Und wer ist der kleine Kerl mit den Antennen? Marvin? Galaxius vom Saxilus?

Worauf es ankommt ist aber das Spiel! Also Modul in den Schacht und losgelegt! Hmm… Das es sich bei der Abbildung auf der Rückseite der Verpackung nicht unbedingt um einen Screenshot handelt war abzusehen, aber so richtig Wiedererkennungswert hat das, was nun über den Bildschirm flackert, leider nicht. Um ehrlich zu sein, weiss man nur aus dem Grund, dass man gegen einen Tintenfisch und seine Schergen antritt, weil man vorher den Klappentext gelesen hat. Es könnte sich aber auch um ein paar Vögel handeln, welche unseren Abenteurer von Oben zubomben.

So wird man eingestimmt:

Und das bekommt man serviert:

Das rötliche Teil unter der Null ist der Tintenfisch, die weißen Kästchen links und rechts sind die Schatztruhen. Unser Ziel ist es, eine der beiden Schatztruhen zu erreichen ohne getroffen zu werden oder abzustürzen. Fehlen nur noch die vielen kleinen Tintenfische und die tödlichen Gaswolken. Die machen das Spiel nämlich erst zur Herausforderung. Besser gesagt: Die machen das Spiel erst zum Glücksspiel!

Die vielen kleinen Tintenfische und tödlichen Gaswolken flickern und flackern nämlich so wahllos und unstetig über den Screen, dass man nach 10 Minuten Spiel im Bestfall mit Kopfschmerzen geschlagen ist. Im schlimmsten Fall erleidet man einen epileptischen Anfall.

Die Wolken tauchen auf wie es ihnen gefällt, schießen mal direkt auf den Spieler zu, fangen mal an über den gesammten Bildschirm zu ruckeln. Manchmal kommt man sich vom Gas regelrecht verfolgt vor. Intelligentes Gas. Betrunkener Sand…

Ich vermute jedenfalls, dass es sich bei diesen „Gegnern“ um die Gaswolken handelt. Denn noch ein zweiter Typ Gegner ist unterwegs. Sie flackern nicht minder über den Screen, bewegen sich aber wenigstens in nachvollziehbaren Bahnen. Sie blockieren Leitern und Wege und treiben unseren Abenteurer das ein oder andere Mal in die Enge. Allerdings können sie übersprungen werden wenn ausreichen Platz vorhanden ist. Bei diesem Gegnertyp glaube ich, kleine Tintenfische zu erkennen.

Stichwort: Springen! Auch hier legt das Spiel eine ziemliche Willkür an den Tag. Zum Beispiel war es mir bisher unmöglich, im ersten Level auf der zweiten Ebene die linke Leiter zu erreichen. Der Herr Abenteurer stürzt einfach jedesmal ab, egal wie knapp am Rand der Plattform man abspringt. Versucht man die rechte Leiter zu erreichen, so funktioniert dies ohne Probleme.

Ein ähnliches Problem gibt es im zweiten Level. Dort ist es mir bisher sowohl von Links als auch von Rechts unmöglich gewesen, die Leiter in der Mitte zu erreichen. Deswegen habe ich bisher auch nur diese beiden Level sehen können. Ob noch ein drittes existiert kann ich also zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Und versucht auf keinen Fall, am rechten oder linken Bildschirmrand den Screen zu verlassen. Man ist es zwar aus einigen Spielen gewohnt, dass man den Bildschirm Rechts verlassen kann, um Links wieder zu erscheinen, hier führt das Verlassen einer Plattform aber gnadenlos zum Absturz. Auch wenn der Abenteurer von einer Plattform in der ersten, zweiten oder dritten Etage abrutscht, landet er nicht auf der darunterliegenden Plattform, sondern klatscht auf den harten Boden auf und stirbt.

Ist das eigentlich logisch? Wenn der Abenteurer gegen einen großen und viele kleine Tintenfische antritt, müsste er sich dann nicht unter Wasser befinden? Unter Wasser stürzt man aber nur schwerlich ab (und trägt normalerweise auch keinen Hut). Und was hat es mit dem Gas auf sich? Gas steigt unter Wasser nach oben. Der Abenteurer will auch nach oben. Dann sollte sich das tödliche Gas doch von ihm weg bewegen.

Fürs Abstürzen gibt es übrigens Punkte wenn man der Anleitung glauben darf.

Es ist zwar etwas schwierig nachzuvollziehen warum diese Punkte im Endeffekt gezählt werden, aber wenn es im Abenteurer-Handbuch steht, dann wird es wohl irgenwie seine Richtigkeit haben. Das Extraleben beim Erreichen des zweiten Levels gibt es aber auf jeden Fall!

Was man dem Spiel zugute halten muss: es bietet dem Spieler eine gewisse Langzeitmotivation. Man ist schon geneigt immer und immer wieder einen Anlauf zu wagen, um vielleicht doch noch diesen einen Abgrund überspringen zu können. Auch wenn man immer wieder in unfaire Situationen gerät und oft auch gerne mal den Joystick zerbeißen möchte, so ist das Spiel, im Gegensatz zu anderen Werken aus dem Hause Quelle, doch einigermaßen durchschaubar und spaßig. Natürlich um so mehr wenn man (abwechselnd) mit einem zweiten Spieler zockt.

Aber nicht vergessen: Nicht länger als 10 Minuten am Stück und nicht ohne Aspirin in der Tasche!

(Das Review wurde ursprünglich 2010 auf Circuit-Board.de veröffentlicht)

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