Noch nicht mal alleinerziehend Noch nicht mal irgendwas

Neulich mal aufgeräumt. Dabei fiel mir ein altes Hörbuch in die Hand, welches ich vor 3 Jahren mal bei einem Billig-Discounter für… pffff… sagen wir mal 3,99 Euro mitgenommen hatte. Sofort musste ich an all die Emotionen denken die dieses Hörbuch in mir ausgelöst hat: Neugierde, Enttäuschung, Hoffnung, Wut, Ärger, Langeweile, Fremdscham und schließlich den Impuls andere Menschen vor diesem Buch zu warnen. Deswegen habe ich damals einen kurzen Text geschrieben, den ich nun gerne auf dieser Netzseite teilen möchte. Denn:

Dieses Buch schafft es eine eine völlig belanglose Geschichte ohne jegliche Höhen und Tiefen mit dämlich bis peinlich handelnden Protagonisten zu erzählen. Am Ende steht man da und fragt sich warum man sich das Werk überhaupt bis zum Ende angetan hat. In meinem Fall gab es zwei Gründe. Zum einen habe ich das Hörbuch auf mehreren Autofahrten angehört. Ich habe also immer nur eine kleine Dosis genossen. Zum anderen dachte ich mir bis zum Schluß: „Da muß doch noch irgenwas kommen!“ Aber nichts! Garnichts!

Bescheuerte Yuppie-Probleme werden in einer oberflächlichen Plastikwelt ausgewalzt. Dabei lässt die Autorin kein Klischee aus. Ein neues Paar Schuhe wird geknuddelt, weil Schuhe einfach das höchste der weiblichen Gefühle sind.

Frau belohnt sich mit Botox-Injektionen. Mit BOTOX-INJEKTIONEN! Da hatte ich mal die Hoffnung dass dies hier die Stelle im Buch ist an der mal etwas schiefgeht. Wo unsere Protagonistin Nora mit aufgeblähter und tauber Fresse zu ihrem Geburtstags-Date gehen muss. Aber nö! Botox-Injektionen sind die Ideale Geburtstagsvorbereitung. Kein Problem sich ein Nervengift in die hohle Frucht pumpen zu lassen nur um glattgebügelt zu wirken.

Max Goldt hat mal über eine Phantasie geschrieben eine Klinik frequentieren zu dürfen um sich dort unter besten Kur-Bedingungen Heroin spritzen zu lassen. Da sehe ich noch einen Mehrwert. Wenigstens eine Erfahrung. Aber Erfahrungen werden in diesem Buch anders gemacht.

Denn weil die teils schwangeren und gesetzteren Freundinnen vergessen haben der Hauptdarstellerin den Termin für den Brunch mitzuteilen gerät diese in eine schwere Sinnkrise. Nora will ein paar Tage das Haus nicht verlassen und ignoriert in dieser Zeit auch mal die Dusche. Nur um anschließend genaus so weiterzumachen wie bisher. Wer jetzt erwartet dass vielleicht nochmal darüber nachgedacht wird dass die Freundinnen sie nicht dabeihaben wollten weil sie eine oberflächliche, Botox spritzende, egoistische Hohlbratze ist der irrt sich. Nora macht keine Fehler. Sie leidet nur kurz unter den Fehlern der Anderen.

Traurig finde ich dabei vor allem dass ich der Autorin jedes Wort ehrlich glaube. Wenn ich mir den Werdegang von Dunja Maria Pechner ansehe komme ich zu dem Schluß, dass die Autorin hier voll aus Ihrer Biographie schöpft und diesen Scheißhaufen in Textform für wirklich wichtig hält. Ich glaube die Dame meint das alles wirklich, wirklich ernst. Und so funktioniert das Buch weder als Satire, noch als Komödie, noch als Drama, ja, eigentlich auf keiner Ebene.

Wenn ich darüber nachdenke wo ich dieses Werk einordnen soll fällt mir dann auch tatsächlich nichts ein. Selbst Vergleiche fallen schwer. „Sex and the City“? Nein. Dort wurden Gefühle echter transportiert. Scripted Reality Formate im Nachmittags-TV? Nein. Da passiert wenigstens was. „Bridget Jones“? Nein. Die hatte nachvollziehbare Probleme und war dabei noch witzig und niedlich.

Echt! Mir fällt nichts dazu ein! Ich habe nichtmal in meinem Familien- und Bekanntenkreis jemanden an den ich das Hörbuch guten Gewissens weiterverschenken würde. Ich glaube nämlich das Menschen außerhalb von Dunja Maria Pechners Tellerrand schon beim morgendlichen Stuhlgang mehr Höhen und Tiefen erleben als sie dieses Buch in seiner gesamten Länge zu vermitteln vermag.

Carolin Kebekus macht als Leserin einen soliden Job. Allerdings bringe ich sie nicht mit der Hauptfigur Nora in Verbindung. Ich habe einfach ein anderes Bild von Carolin Kebekus. Werbesätze wie „Carolin Kebekus spricht nicht Nora, sie ist Nora.“ sind völlig hohle Phrasen von denen man sich auf keinen Fall, wie ich, bei einer Kaufentscheidung blenden lassen sollte. Wenn Carolin Kebekus Nora wäre, dann wäre dieses Buch um Lichtjahre unterhaltsamer.

Ich bin froh den Text hier nochmal unterbebracht zu haben. Denn es gibt auf diesem Planeten mindestens fünf Mitmenschen die diese Kacke für den Höhepunkt der Literatur halten. Da muss ich meine Meinung einfach nochmal dagegen halten. Denn auf Dauer kann ich das nicht tolerieren!

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