Paddington "Ein wirklich liebreizendes Stück Kino"

Die heutige Aufgabe hieß: Schmücke eine Nordmanntanne mit Licht und Tand! Der Erfüllung dieser Aufgabe lag nur eine Kleinigkeit im Weg. Die BR-Disc zum 2014 veröffentlichten Spielfilm „Paddington“.  Sobald meine Helfer den Film haben rumliegen sehen wurde das Behängen des Nadelgehölzes zur Nebensache erklärt. Alle hatten Bock auf Paddington.

Mit Paddington verband mich eigentlich immer nur die Erinnerung an vielleicht zwei Bilderbücher aus meiner Kindheit. Ich hatte aber irgendwie sofort ein heimeliges Gefühl als ich zum ersten mal auf den Realfilm gestoßen bin. Dieser Film war mir vom ersten Trailer an sympathisch. Der Trailer zeigte eine ca. 3 Minuten lange Slapstick-Szene die ich heute noch brüllend komisch finde. Echte Menschen kamen darin nur wenige vor, dafür aber der niedlichste und ausdrucksstärkste kleine CGI-Bär der jüngsten Filmgeschichte. Sofort fiel mir ein Persönchen ein mit dem ich diesen Film sehen wollte. Und darauf habe ich dann hingearbeitet. Einen Kinobesuch hatten wir leider verpasst, aber dafür habe ich den Film virtuell gebucht sobald er beim Streaming-Anbieter meines damaligen Vertrauens im Programm war. Ich war gehypt*. Mein Persönchen auch. Aber um die Erlebnisse beim ersten Ansehen des Films zu beschreiben möchte ich an dieser Stelle auf die 57. Folge der Sendung „Kino+“ des Online-Senders „Rocket Beans TV“ verweisen.

In dieser Ausgabe „Kino+“ beschreibt Daniel Schröckert den Film als warmherzig, liebreizend und als für alle Altersklassen geeignet. Paddington selbst beschreibt er als einfach höflich. Und das trifft es genau. Paddington ist ein unbedarfter Charakter der nur den Wunsch verspürt irgendwo ankommen zu dürfen. Er forciert nichts, sieht alle Lebewesen als gleichgestellt an und möchte eigentlich nur ein friedfertiges Miteinander. Die Schwierigkeiten auf die Paddington dabei stößt sind nur dem Umstand geschuldet dass er sich in einer unbekannten und unbequemen Umwelt wiederfindet. Da bleibt es nicht aus dass er des öfteren in Fettnäpfchen tritt. Oder sich awkward verhält. Sagt man das so? Schon wieder eine dieser Situationen…

Jetzt mit Sprüchen wie „Aus Fehlern lernt man“ zu kommen wäre aber zu einfach. Es geht viel mehr darum mit Fehlern umgehen zu können. Fehler gehören zum Leben dazu. Sie vermeiden zu wollen bedeutet entweder sich zu isolieren oder sich selbst soweit zu verbiegen dass die eigene Person unangreifbar wird. Und da ist die Schwelle zum Lügen und Betrügen nur einen Schritt weit entfernt. All dies macht Paddington nicht. Er steht zu allem was er anrichtet, spricht die Wahrheit und zieht Konsequenzen aus den Reaktionen der Menschen um ihn herum.

Jetzt kommt in der „Kino+“-Folge aber noch Etienne Gardé dazu, der auf Anraten von Daniel Schröckert den Film mit seinem Sohn gesehen hat. Die Zusammenfassung die Etienne hier zum besten gibt trifft genau so ebenfalls auf den Film zu. Sein Sohn war von dem Film offensichtlich schon in den ersten Minuten überfordert. Das liegt daran dass der Film keine heile Welt zeichnet in der er stattfindet. Schon direkt am Anfang wird der Zuschauer, egal ob jung oder alt, mit Verlusten konfrontiert. Mit Gewalten auf die einfach niemand Einfluß hat. Das mag hart klingen aber genau das macht den Film zu etwas Besonderen. Hier wird gezeigt dass es einfach eine große Spannweite zwischen Gut und Böse gibt. Aus wirklich grauenvollen Ereignissen können gute Dinge erwachsen.

Und genau so wie es die beiden Moderatoren erlebt haben sehe ich diesen Film. Auch mein Persönchen mit, dem ich diesen Film angesehen habe, wollte direkt am Anfang einen Ragequit hinlegen und nicht mehr weiter gucken. Natürlich rate ich jetzt nicht dazu trotzdem das Kind vor dem Bildschirm zu fixieren um die Botschaft zu transportieren. Natürlich darf man abbrechen wenn es zuviel wird. Aber es ergibt sich auch für Kinder ein schlüssiger und befriedigender Handlungsbogen wenn man es schafft durch die schlimmen Momente hindurch zu gehen. Ein bisschen wie im echten Leben.

Aber der Film hat noch so viel mehr zu bieten. Allein die visuelle Umsetzung lässt mein Filmherz höher schlagen. Man merkt es dem Film an dass er gerne die fantastischen Möglichkeiten des Medium Film ausreizen möchte. Es gibt eine Überleitung in ein Puppenhaus um die Familie vorstellen zu können. Es gibt Anspielungen zu popkulturären Themen wie „Indiana Jones“. Es gibt Schnittmontagen die dem Zuschauer das Geschehen näher bringen als es das gesprochene Wort könnte. Der Film weiß dass er ein Film ist und deswegen wird hier sehr viel Aussage über Bilder transportiert. Manchmal fallen Worte fast dem Schwenk der Kamera zum Opfer. Die Tochter der Familie lernt zum Beispiel Chinesisch und wenn man einfach mal genau hinhört was für Sätze sie da lernt hat man schon wieder einen Lacher. Allerdings ab 12 Jahren aufwärts würde ich schätzen.

Wie auch Paddington kümmert sich der Film nicht um Konventionen. Er möchte verstanden werden, aber… Hey, wenn nicht? Wen stört es? Versuchen wir es nochmal! Er ist genau so verspielt und naiv wie zielstrebig und pointiert.

Am Ende konnten wir uns heute dieses „liebreizende Stück Kino“ im Schein der Nordmanntanne ansehen. Der Baum erstrahlte so hell dass wir es kaum wagten die Notrufnummer zu wählen. Der Baum brennt und Paddington wird geliebt. Es wird über ihn gelacht aber es wird auch mit ihm gefühlt. Es wird familiär. Eben weil dieser Film so viel Chaos, Wärme, Witz und Liebe ausstrahlt. Damit bringt er mir einfach ein gutes und vertrautes Gefühl in die Stube. Der zweite perfekte Weihnachtsmoment in diesem Jahr. Für mich!

 

 

* Das Wort sieht komisch aus und ich würde es so nicht schreiben wollen. 
Deswegen habe ich das Internetz befragt. So soll es wohl richtig sein. *?*

 

 

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