Frühstück für das Innere Kind Hörst du dir eigentlich manchmal selber zu?

Heute hat mich das Innere Kind geweckt. Ganz sanft. Es hat leicht an meinem schlafenden Körper geruckelt und mir ins Ohr geflüstert: „Ich möchte Pop Tarts zum Frühstück!“ Das hat mich ziemlich erstaunt. Mein Inneres Kind dürfte eigentlich keine Ahnung haben was „Pop Tarts“ überhaupt sind. Keiner von uns Dreien hat bisher einen „Pop Tart“ gesehen, geschweige denn gegessen. Das Innere Kind nicht, der Innere Erwachsene nicht und ich schon garnicht.

„Was sind Pop Tarts?“ frage ich schlaftrunken.

„Weiß ich nicht! Aber ich will welche!“ bekomme ich zur Antwort.

„Hmm… OK! Ich überlege mir mal wo wir sowas bekommen. Lass mich nur mal eben einen Kaffee trinken. In Ordnung?“

„Ja, aber mach schnell! Bitte!“

Ich kurbel mir eine Tasse starken Kaffee und denke über den Wunsch meines Inneren Kindes nach. Wenn wir sowas bekommen, dann doch nur in den größeren Einkaufzentren der Stadt. Das trifft sich ziemlich gut.  Ich will dort schon lange mal wieder hin, denn mein Kopfhörer hat nach einem Jahr Dauerbetrieb nun endgültig seinen Geist aufgegeben. Obwohl… So endgültig war es noch nicht. Es funktioniert noch die linke Ohrmuschel. Aber der Rest war vor Kurzem bei einem Reparaturversuch abgebrochen.

Zwei Abende habe ich jetzt mit einem Stirnband aus Panzertape vor dem Bildschirm gesessen. Mein kindliches Improvisationstalent hat es mir ermöglicht weiter mit dem defekten Elektrogerät zu arbeiten. Nur leider kommt sich mein Innerer Erwachsener langsam ziemlich kindisch vor, wenn er sich eine einzelne Ohrmuschel an den Kopf kleben muss. Verständlich.

Die Koffein-Bombe explodiert in meinem Körper und ich mache mich auf die Socken um allen gerecht zu werden. Meinem Inneren Kind, meinem Inneren Erwachsenen und mir. Wir haben Ziele und alle sind erreichbar.

30 Minuten später

Ich stehe vor den Regalen mit Elektro-Zubehör.

„Kauf das Teil für 25€! Das ist das gleiche was wir vorher hatten! Das hat voll lange gehalten!“ sagt mein Inneres Kind.

„Niemals! Das sind die gleichen Kopfhörer wie vorher und sie kosten 15€ mehr weil jetzt Telefunken draufsteht. Die Alten waren von Watson.“ sagt mein Innerer Erwachsener.

„Du kannst hier jetzt noch eine weitere halbe Stunde um die Regale rennen und du nimmst sie doch!“ höre ich von meinem Inneren Kind.

Ich nehme es mal vorweg: Es hatte recht. Die Entscheidung war von Anfang an klar. Die Kopfhörer waren gut. Sie sind zwar nicht billiger geworden aber sie passen in mein Setup. Und ich bin trotzdem eine weitere halbe Stunde um die Regale gerannt.

„Jetzt guck nach Pop Tarts!“ befiehlt mein Inneres Kind. „Oder hol wenigstens einen Star Wars-Kuchen! Aber nicht mit Karamell! Nur mit Vanille!“

Eine kleine Prise schlechten Gewissens rieselt über meinen Nacken.

„Nach dem Kuchen haben wir hier schon gesucht.“ flüstere ich ihm zu. „Den haben sie hier nicht.“

Ich gehe zur „International Food“-Abteilung.

„Guck an! Hier gibt es ja wirklich Pop Tarts…“ stelle ich erstaunt fest. „Das klingt aber mal so garnicht lecker. Willst du das echt probieren?“

„Natürlich! Du bist so weit gekommen und jetzt nimmst du das mit!“ Das Innere Kind weiß offensichtlich was es will.

„Aber ich mag doch ‚Erdbeere‘ garnicht!“ wehre ich mich.

„Jetzt lass dem Kleinen doch seinen Zuckerschock!“ meldet sich der Innere Erwachsene zu Wort. „Und wenn ich mal was sagen darf: Das Zeug ist eher ein Nachtisch. Wollen wir heute nicht mal wieder Cheeseburger machen? Ach! Und und nur mal in die Runde geworfen: Ich habe seit Ewigkeiten Bock auf Macaroni mit Käse! Vielleicht nehmen wir einfach mal eine Packung mit?“

Ganz uneigennützig werfe ich eine Packung „Mac’n Cheese“ in den Einkaufskorb.

„Haben wir jetzt alles?“ rufe ich laut aus? Ein älterer Herr dreht sich um und guckt mich fragend an.

„Ja! Und jetzt lass uns abhauen!“ antworten das Innere Kind und der Innere Erwachsene wie aus einem Mund. Wie auch immer sie das schaffen, aber manchmal sind sie „Ein Kopp, ein Arsch“ wie man so schön sagt.

Ich stehe an der Kasse und fühle mich nicht schlecht beraten. Ich habe alles im Einkaufskorb was ich mitnehmen wollte. Wenn ich meine Wohnung betrete werde ich die neuen Kopfhörer aufsetzen und Cheeseburger machen. Zum Nachtisch probiere ich einen „Pop Tard“. Ich ekel mich jetzt schon davor.

Später werde ich dann erfahren ob ich glücklich bin mit all diesen Entscheidungen.

 

Jetzt ist grad mal ausnahmsweise Ruhe und deswegen möchte ich die Gunst der Stunde nutzen um eine Kleinigkeit festzuhalten.

Eine Erkenntniss die ich aus dem alten Jahr 2017 mitnehme ist die, sich mal hin und wieder mit dem eigenen Inneren Kind auseinanderzusetzen. Denn mir wurde von einem Denkansatz erzählt, der mit Begriffen wie Innerer Erwachsener und Inneres Kind um sich wirft. Dazu gibt es bestimmt eine wissenschaftliche Ausarbeitung mit einem ebenso wissenschaftlichen Namen. Da ich aber keine Ambitionen habe in diesem Leben nochmal Psychologie zu studieren, fange ich jetzt das Recherchieren nicht an, sondern beschreibe mal was ich persönlich aus diesem Gespräch mitgenommen habe.

Was für mich wichtig ist, dass ist der Gedanke daran dass sich im Laufe der Lebensjahre in einer Persönlichkeit unter anderem zwei Stimmen manifestiert können. Der Innere Erwachsene und das Innere Kind. Beide haben Ansprüche aneinander, aber auch an sich selber.

Das Innere Kind ist eine verspielte Seite einer Persönlichkeit. Es möchte Spaß haben, spielen und rumalbern. Möglichst immer und möglichst spontan. Dabei wird es gerne mal irrational handeln. Es möchte sich aber auch sicher fühlen. Dies ist sein Anspruch an den Inneren Erwachsenen. Es möchte die Gewissheit haben dass der Innere Erwachsene sich um das Kind kümmert und die richtigen Entscheidungen für beide trifft.

Der Innere Erwachsene wiederum wird eher rational handeln. Er ist es der festlegt welche Aufgaben und welche Aktionen zur Zeit Priorität haben. Und er möchte das seine Entscheidungen respektiert werden. Auch vom Inneren Kind. Wenn die Notwendigkeit besteht eine Aufgabe zu erledigen, muss die Spielzeit leider auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Gleichzeitig möchte er aber auch gerne vom Inneren Kind ab und zu aus der Hölle, die das Erwachsenenleben zuweilen darstellen kann, entführt werden.

Diesen Denkansatz darf Jeder jetzt gerne mal auf sich selber übertragen und auch weiterspinnen. Es wird die Frage aufkommen wie achtsam du mit dir selber umgehst. Aber auch wie gut du dich eigentlich abgrenzen kannst. Wer sich bewusst macht in welcher Beziehung der Innere Erwachsene und das Innere Kind zueinander stehen, der wird auch reflektieren können warum das so ist. Sehr schnell steht dann nämlich die Überlegung im Raum wie das eigene Umfeld überhaupt mit dir umgeht. Wie haben sich die Erwachsenen dir  gegenüber verhalten als du noch ein Kind warst? Und wie reagierst du Heute wenn von dir etwas gefordert wird? Sei es aus der Familie, dem Freundes- und Bekanntenkreis oder von irgendeiner anderen Instanz.

Ich muss jetzt Schluß machen. Ich hatte versprochen noch einen leichten Gurkensalat zu machen. Und dann muss ich so laut Punkrock hören wie es geht!

Schönes neues Jahr 2018! Viel Spaß!

Bis denn dann

Benny 2017

 

 

 

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